Sonntag, 8. Mai 2011

Von Wundern und Illusionen

Vom Sichtbaren

Es ist so schön zu sehen wie Romeo nun von Tag zu Tag kräftiger wird. Gehüpft und gesprungen ist er ja die ganze Zeit, aber nun sind auch die Haare schon wieder schön gesprossen, die Haut ist rosig und auch sein Gemüt ist viel ausgeglichener und er möchte immerzu gerne andern eine Freude machen. Gestern hatten wir einen sehr schönen Tag: Während Lisa mit Cousin und Oma und Opa in den Zoo gehen durfte, haben wir das Maigrün im Park genossen und dann gemütlich eine Pizza verzehrt. Dabei kam es mir in den Sinn, Romeo doch einmal von seinem Namensvetter zu erzählen. Shakespeare für Fünfjährige sozusagen. Was dabei herauskam, war allerdings ganz schön traurig. Und so kann ich mich Paul Panzer nur anschließen: Schreibt doch mal "Alle lieben sich!" statt immer nur "Zack, alle tot!". Na gut, dachte ich, versuchen wir es halt mir Goethe. "Und was hat der geschrieben?" Faust - hm, das ist schon ein bisschen schwieriger zu erklären: mit dem Pakt mit dem Teufel und so... Aber, was mir dabei auffiel: Der Dr. Faustus hatte nun jede erdenkliche Natur- und Geisteswissenschaft studiert und hatte doch ganz deutlich das Gefühl, nicht zu wissen, was es ist, "das die Welt im Innersten zusammenhält". Ja, der Goethe, der alte Pantheist hatte auch schon so ein Gefühl, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als das armselige bißchen, das unseren Sinnen und Meßinstrumenten zugänglich ist. Und in der letzten Zeit haben wir da einige kleine Wunder erlebt, eigens von Gott für uns inszeniert, nur um uns endlich die Augen zu öffnen und uns glauben zu lassen.

Von Wundern

Ein besonders deutliches Erlebnis will ich berichten:
Es war letzten Montag - Romeo mitten im Zelltief, Ihr erinnert Euch: Granulozyten = bakterielle Abwehr, fast null. Wir kommen gerade aus der Ambulanz zurück, Romeo steigt aus dem Auto, schaut mich mit zerknautschtem Gesicht an und sagt: "Mama, ich hab in die Hose gegackert." Der Stuhl war wässrig-dünn und es gab keine Möglichkeit zu leugnen, dass das ein Durchfall war. Ich rief Peter an und bereitete ihn darauf vor, dass wir nachher wohl auf Station gehen würden. Wie "der Zufall" es so wollte, hatte ich aber gerade im Anschluss einen Termin bei Dr. Richter (erweiterte anthroposophische Heilkunst). Der zunächst einmal feststellte, dass Romeo keine Behandlung brauche und sein Durchfall nur als kleiner Anstupser für seine Frau Mutter gemeint war, damit sie sich selber behandeln lasse. Ich hatte auch tatsächlich seit 2 Wochen ständig unterschwellige Bauchschmerzen, die ich natürlich ignorierte. Wir suchten also Mittel um Mittel und Dr. Richter testete immer mal zwischendurch, ob Romeo doch irgendwas brauche - aber nichts. Ich glaubte, ging heim und es gab keinen Durchfall mehr. Nun erklär mir das einer! Durchfall ohne Bakterien, Bakterien, die sich nicht vermehren, obwohl keine Abwehr da ist? Ehrlich gesagt: Es ist völlig unwichtig, warum das so war. Wichtiger war, dass es wirklich funktionierte! Gott existiert und Einstein hatte auch Recht: Masse ist halt nix anderes als Energie in Bewegung (m = E/c²).

Von Illusionen

Dagegen scheint es mir mehr und mehr eine Illusion, dass wir an einem bestimmten Tag in der nahen Zukunft sagen können werden: "Heute ist das und das passiert und damit ist jetzt alles vorbei. Das Kapitel "Leukämie" ist in unserem Leben beendet." So wird es nicht sein, so soll es wohl nicht sein. Es ist eben keine Schublade, die man einfach zumachen kann, wenn man genug aufgeräumt hat und sich dann wieder anderen Dingen widmen - "back to normal" sozusagen. Es ist und bleibt eben eine Reise - ein Weg, der nur Schritt für Schritt erkennbar wird. Irgendwann später werden wir wohl sagen können: "Sieh nur, das liegt aber jetzt weit hinter uns und berührt uns gar nicht mehr." Aber wir werden wohl nicht wissen, an welchem Tag es aufgehört hat. 

Der nächste Schritt wird aber nun doch immer deutlicher. Nächste Woche endlich - hoffentlich - Katheder raus!

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